Was ist Zen?

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Die Kalligrafie des Ensō japanisch „Kreis“) verkörpert Leerheit und Vollendung. Sie wird häufig als visuelles Symbol für Zen verwendet.


lt. Wikipedia (ein Auszug) ist Zen

Oft wird gesagt, dass Zen „nichts“ biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. In einem Koan spricht der Zen-Meister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten: „Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“ Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes Einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es hat kein Ziel.
Solche und ähnliche Texte liest man, wenn man sich beginnt mit Zen zu beschäftigen. Klingt alles sehr einfach und logisch. Doch was bedeutet es wirklich das Leben zu leben und dann noch in seiner ganzen Fülle? Leben wir nicht alle unser Leben, sonst wären wir ja nicht am Leben, oder? Oder vielleicht doch nicht, bedeutet es zu Leben wenn man froh ist das jeder Tag vergangen ist, das die Woche vergangen ist und das der nächste freie Tag oder der nächste Urlaub nicht mehr weit weg ist? Ist dass das Leben von dem die Rede ist?

Kommt man mit dem unscharfen Begriff Zen in Berührung, fühlt man irgendwo dass das nicht das Leben sein kann. Zum Beispiel am Ende eines Tages, welche Augenblicke bleiben in Erinnerung und wie viele davon? Der durchschnittliche westliche Mensch ist froh, wenn der Arbeitstag vorüber ist, wenn man den Tag hinter sich gebracht hat. Beginnt man sich mit Zen zu beschäftigen, dann hört oder liest man, dass es ja eigentlich um den Augenblick geht, der Augenblick macht das Leben aus und das der Augenblick kostbar ist - aus einem einfachen Grund - den der Augenblick ist JETZT und HIER. Vergangenheit und Zukunft, habe ich mal gelesen, diese beiden Begriff sind meist nicht realer als realistische Träume an die man sich erinnern kann.

Es ist die Faszination des Augenblick, die mich so anzieht an der Sache Zen. Als Anfänger, bzw. als jemand der sich beginnt mit Zen zu beschäftigen nutzt man natürlich das Internet um sich zum informieren und findet verdammt viel und auch wenig. Man liest immer Zen lässt sich schwer beschreiben, solche Dinge wie "Tee muss man selber schmecken". Das ist einleuchtend, man kann über Tee lesen, hören und schreiben - aber schlussendlich muss man Tee selber schmecken. Mich fasziniert an Zen, dass sich der Begriff selbst fast jeder Erklärung entzieht, aber über ein Gleichnis meist wunderbar erklärt und für einen kurzen Moment alles klar wird.

Zen ist alles, alles ist Zen! Doch als ein im westlichen europäischen Kulturkreis aufgewachsener Mensch fragt man sich bei der Beschäftigung mit Zen dann auch mal was ist mit Energie, Materie, Geist oder gar Gott? Ist das alles das Gleiche? Ist das auch alles Zen?

Es gibt eine kurze Geschichte die in manchen Schriften über Zen vorkommt. Vier Blinde Menschen gehen in einen Zoo und besuchten einen Elefanten. Da alle ja blind waren, wusste natürlich keiner der vier wie ein Elefant genau aussieht. Ein Blinder berührte die Seite des Elefanten und meinte "Der Elefant ist wie eine Mauer". Der nächste bekam den Rüssel des Elefanten zu fassen und meinte "Der Elefant ist wie eine Schlange". Der dritte Blinde fasst das Bein des Elefanten und meinte "Der Elefant ist wie eine Säule" und der vierte Blinde fasste den Schwanz und meinte "Der Elefant ist wie ein Besen". Klar ist das die vier dann auch noch zu streiten begannen, da ja jeder glaubte er wisse nun wie ein Elefant aussieht. Keiner der vier Blinden hat den Elefant als ganzes verstanden, jeder nur einen Teil davon. Und ich denke so ergeht es uns im Alltag, im Leben auch - weil wir im übertragenen Sinn blind sind, sehen wir nur die einzelnen Teile und nie das Ganze.


Herbert Koeppel, Dezember 2010